Der Entscheidungsbaum

Ein Werkzeug zur Besseren Zucht
von C.A. Sharp, ubersetsung von A. Neukirchner
Double Helix Network News, Herbst 2010

 

Man wird nicht zufällig ein spitzen Züchter. Jedem einzelnen Zuchtvorgang.  Geht eine sorgfältige Planung voraus, die auf einem umfassenden Wissen über die Rasse und über einzelne Hunde beruht, aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart. Spitzenzüchter besitzen Maßstäbe, die sie bei dem Entscheidungsprozess leiten, und die Klarheit darüber besitzen, was sie erreichen wollen, nicht nur bei der Züchtung einzelne Hunde sondern auch bei ihrer gesamten Zuchtlinie. Dies verlangt Wissen, Entschlossenheit und Erfahrung.

Wie gelangt man nun als aufstrebender Züchter dorthin, wo sie sind? Während du Wissen sammelst und mehr Erfahrung gewinnst, geht es darum, ein verlässliches und gründliches Wertesystem zu entwickeln, das dabei hilft, Hunde für die Züchtung auszuwählen oder einen Deckrüden für deine Hündin und, falls du der Besitzer eines Deckrüden bist, zu entscheiden, ob du ihn zur Deckung einer bestimmten Hündin zur Verfügung stellst oder nicht. Was du dazu brauchst ist ein Entscheidungsbaum.

Das Wachstum eines Systems

Ein Entscheidungsbaum besitzt keine Blätter und keine Wurzeln aber er kann Äste hervorbringen. Es ist eine zeichnerische Darstellung auf der Start- und Endpunkte festgehalten sind, sowie Verzweigungen durch all die Entscheidungspunkte dazwischen, einschließlich mögliche andere Wege zur endgültigen Entscheidung. Besonders für solche, die visuell leichter aufnehmen, kann solch eine zeichnerische Darstellung eine große Hilfe sein. Wer nicht so stark visuell orientiert ist, könnte vielleicht anders an die Sache herangehen, auf jeden Fall aber braucht man ein System um alle wichtigen Varianten zu berücksichtigen.

Sowie echte Bäume, können sich auch deine Entscheidungsbäume im Wachstum befinden und sich verändern. Es geht darum, sie an neue oder geänderte Vorstellungen anzupassen. Vielleicht ist es angebracht, einen neuen Ast an eine bestimten Stelle „wachsen“ zu lassen oder an eine anderen Stelle zurück zu schneiden. Tue was dir richtig erscheint und sei bereit, falls nötig, Veränderungen vorzunehmen. Die Tabellen in diesen Artikel sind grundlegend. Vielleicht fallen dir zusätzliche Wege die dir besser passen zur Entscheidung ein, oder du willst die Reihenfolge neu anordnen.

Ehe du beginnst, musst du deinen Ausgangspunkt kennen. Was sind die Stärken und Schwächen eines jeden einzelnen deine Zuchthunde? Was sind deine Kurz- und Langzeitziele als Züchter? Du solltest alle Punkte die Aussehen, Leistung, Temperament und Gesundheit betreffen in Betracht ziehen und einstufen.

 Zurückschneiden

Du kannst kein Spitzenzüchter sein ohne gute Hunde. Dazu ist es wichtig, dass du jeden Hund begutachtest, ob er als Zuchthund in Frage kommt, sei es vor dem Kauf, oder als Welpe, wenn er heranwächst. Man kann im vorhinein nie wissen, ob ein Welpe zu einem Hund heranwächst, der deinen Zuchtvorstellungen entspricht. Abbildung 1 ist eine Tabelle für einen Entscheidungsbaum, die die Haupt Entscheidungspunkte aufzeigt, ob ein Welpe zur Zucht taugen wird oder nicht.

Beim wichtigsten Kriterium, deinem ersten Entscheidungspunkt, geht es um dein Hauptziel als Züchter. Es könnte Aussehen sein, ein bestimmtes Können im Wettbewerb, oder sogar die echte Arbeitswelt. Was immer es auch ist, der Welpe muss gewisse grundlegende Kriterien für dein ausgewähltes Zuchtgebiet erfüllen. Andernfalls hat es keinen Sinn ihn in dein Zuchtprogramm aufzunehmen, selbst wenn er in jeder anderen Hinsicht herausragende Eigenschaften besitzt.

Manchmal wird es nötig sein, noch einmal eine Begutachtung für einen Welpen vorzunehmen ehe die endgültige Entscheidung fällt, ob man ihn behält oder nicht. Er könnte einige kleinere Fehler im Aussehen aufweisen die im Laufe der Zeit besser werden, oder er könnte, z.B. noch nicht genug Interesse am Hüten zeigen. Die Schleife in der Zeichnung (Ab. 1), die zunächst vom Endscheidungspunkt deines Zuchtzieles wegführt und dann wieder zu ihm zurückführt, weist auf die Notwendigkeit hin, noch eine Zeitlang zu warten und dann neu zu beurteilen. Wenn der Welpe deinem Hauptziel entspricht, dann kannst du dich einigen zweitrangigen Kriterien zuwenden. Es sollen zumindest zwei sein (Verhalten und Gesundheit). es könnten aber auch mehr sein. Das hängt von deinen speziellen Umständen ab, wie es Ab. 1 zeigt. Wenn dein vorrangiges Interesse z.B. einem bestimmten Wettbewerb gilt, wird der zweite Endscheidungspunkt in diesem Bereich liegen (wenn deine Hunde in mehr als einem Wettbewerbsbereich aktiv sind, kannst du noch mehr Endscheidungspunkte hinzunehmen.

Decision Tree Fig 1Ab. 1 zeigt diese zweitrangigen Kriterien in einer bestimmten Reihenfolge, aber du könntest sie auch anders anordnen, sodass sie deiner eigenen Zuchtarbeit besser entsprechen. In der Praxis wirst du dich wahrscheinlich mit all diesen Punkten zugleich beschäftigen. Die Tabelle soll dir dazu verhelfen, dass dein

Denken Zielgerichtet bleibt, und herausragende Eigenschaften in einem Bereich nicht Eigenschaften in anderen Bereichen überschatten. Vorzügliches Aussehen und Temperament sind wunderbar, aber wenn die Gesundheitsergebnisse verheerend sind, ist der Welpe nicht mehr geeignet für die Zucht.

Eine ähnliche Tabelle kann man auch für die Einstufung eines erwachsenen Hund verwenden, sei es beim Kauf oder fürs Leasing. In diesem Fall könnte man weitere zweitrangige Kriterien hinzufügen (z.B. die Einstufung von Familienmitgliedern oder Stammbaumanalyse). Für ein erwachsenen Hund sind in der Regel kaum Schleifen zur Neueinstufung nötig. Er wächst ja nicht mehr heran und auch die Gesundheitsuntersuchungen sollten bereits vorliegn.

Befruchtung/ Der Deckrüde

Decision Tree Fig 2Kommen wir zu einer weiteren Entscheidung im altäglichen Zuchtbetrieb: Die Auswahl einer Rüden für deine Hündin (Ab. 2). Die erste Aufgabe ist, eine Liste mögliche Kandidaten zusammenzustellen. Auch wenn du schon überzeugt bist, dass es ein ganz bestimmten Rüde sein soll, wird es dennoch hilfreich sein, den ganzen Vorgang durchzuführen, um sicher zu gehen, dass deine erste Wahl auch wirklich die Beste ist. Ein weitere Vorteil bei diesem Auswahlverfahren unter verschiedenen Rüden ist die Tatsache, dass du dabei Daten sammelst, die sich bei zukünftigen Entscheidungen als hilfreich erweisen werden – sei es bei dieser Hündin oder eine anderen in deinem Besitz.

Wenn du einmal die Kandidatenliste hast, gilt es jeden einzelnen Rüden zu untersuchen und einzustufen. So wie bei dem Auswahlverfahren in Ab. 1, kann auch diese Einstufung in eine beliebige Abfolge geschehen und wird in der Praxis wahrscheinlich zeitgleich vorgenommen werden. Betrachte die Vorteile und Nachteile jedes einzelnen Hundes. Falls mit ihm schon gezüchtet wurde, was sind die Qualitäten und Schwächen seiner Nachkommen, wobei man besonders bedenken sollte, wie weit seine eigenen Schwächen oder die deiner Hündin zum Tragen kommen. Schließlich, und das ist besonders wichtig, falls mit dem Rüden noch nicht gezüchtet wurde, oder seine Nachkommen zu jung sind für eine echte Einstufung, welche Stärken und Schwächen sind in seiner Familie verbreitet.

Dabei geht es in erste Linie um die Eltern und die Geschwister dieses Rüden.

Nach der Einstufung alle in Frage kommender Rüden, wird der nächste Schritt zur Entscheidung sein, eine Prioritätenliste aufzustellen.

Wenn der Hund an der ersten Stelle dieser Liste dir gehört, ist die Entscheidung getroffen. Falls nicht, ist der wichtigste Entscheidungspunkt der Besitzer des Rüden. Möchtest du mit dieser Person wirklich zusammen arbeiten? Falls ja, sind die nötigen Gesundheitsuntersuchungen vorgenommen worden? (Nach Meinung der Autorin, sollten an jedem Deckrüden alle für die Rasse zur Verfügung stehenden Tests vorgenommen worden sein, und sollten aus neuere Zeit stammen, wie z.B. Augenuntersuchungen, die wiederholt werden müssen).

Wenn die Gesundheitsuntersuchungen in Ordnung sind und die Ergebnisse zu deiner Hündin passen (man sollte, z.B., nicht 2 Träger eines rezessiven Gens miteinander kreuzen) ist es Zeit für die geschäftliche Seite – der Vertrag und die Deckkosten. Der Besitzer des Rüden wird dir einen Vertrag vorlegen und dir die Deckgebühr mitteilen. Sollte es hier zu Problemen kommen, besteht vielleicht die Möglichkeit eine Einigung zu erzielen, daher die „Überlegungsschleifen“ in der

Abbildung (2). Wenn keine Einigung zustande kommt, kehrst du zu deiner Liste zurück und beginnst den Prozess mit dem nächsten Hund von neuem.

Aussaat /Die Hündin

Decision Tree Fig 3Die letzte Entscheidung an unserem Züchterbaum (Ab. 3) wendet sich der anderen Seite zu. Der Auswahl einer Hündin für deinen Deckrüden. Alles hängt von der Antwort auf diese eine Frage ab: Wurden diese beiden Hunde schon früher gekreuzt und, wenn ja, was war das Ergebnis? Es gibt drei mögliche Antworten:

  1. Ja, und der Wurf war gut. In diesem Fall wird man die Zucht wiederholen.
  2. Ja, aber der Wurf entsprach nicht deinen Erwartungen. Dann wurde man die Zucht nicht wiederholen.
  3. Nein, die Paarung wurde noch nie vorgenommen. In diesem Fall gehst du zu den ursprünglichen Entscheidungsfragen zurück.

 So wie bei der Auswahl eines Rüden, wird auch hier die erste Überlegung den Besitzer der Hündin betreffen. Der Besitzer eines Rüden hat wenig oder gar keine Kontrolle darüber, was mit dem Wurf geschieht. Ist der Besitzer der Hündin jemand, dem du deine Welpen anvertrauen würdest? Wenn du der Meinung bist, dass auch dieser Punkt zufrieden stellend ist, oder du nur geringe Bedenken hast, die in eine Aussprache oder in Vertrags Änderungen in Ordnung gebracht werden können, kann man zum nächsten Entscheidungspunkt weitergehen: Die Einstufung der Hündin und in wie weit sie zu deinem Rüden past.

 Was ist dein allgemeiner Eindruck von dieser Hündin? Wenn sofort etwas Negatives herausstickt, kommt sie nicht in Frage. Anderenfalls kann man zu den Einzelheiten weitergehen. Sie sollte alle notwendigen Gesundheitsuntersuchungen mit Bestätigungen besitzen, und die Ergebnisse aus den DNA Tests sollten zu deinen Rüden passen. Obwohl es in Ab. 3 nicht eingezeichnet ist, könnt man hier eine Schleife zur Neueinstufung vornehmen. Falls nämlich Gesundheitsuntersuchungen fehlen, willst du vielleicht das Ganze noch einmal überlegen, nachdem du die Ergebnisse in den Händen hältst.

Wenn alle Gesundheitsergebnisse in Ordnung sind, solltest du dir anschauen, was du über ihre früheren Würfe weißt und eine detailliertere Übersicht über die Stärken und Schwächen dieser Hündin erstellen. Auf diese Weise kannst du dir klar werden, ob der geplante Wurf deinen Erwartungen entsprechen wird oder nicht.

Wenn deine erneute Überprüfung ergibt, dass die zwei nicht zusammenpassen, ist es ratsam, die Paarung abzusagen. Mögliche Probleme, für die ein niedriges Risiko besteht oder keine ernsthaften Folgen haben, sollte ein Welpe sei erben, sollten mit dem Besitzer der Hündin besprochen werden. Dabei geht es um die Übereinstimmung, dass die Vorteile diese Paarung die Risken überwiegen. Verhandlungspunkte, die Vertrag und Kosten betreffen, werden hier nicht erwähnt, weil du als Besitzer des Rüden die Bedingungen festlegst. Du musst nicht verhandeln, wenn du es nicht willst.

Pflanzen Einer Plantage

Dies sind nur drei Beispiele von Entscheidungsbäumen bei der Hundezucht. Vielleicht fallen dir noch mehr Kriterien ein oder du erfindest eine andere System deine Zuchtentscheidungen zu treffen. Wenn du ein erfolgreicher Züchter sein willst, benötigst du auf jeden Fall ein beständige und gründliche Methode um alle vorliegende Informationen zu verarbeiten. Solange man nicht Jahrzehnte der Erfahrung aufweisen kann, brauchst du ein System das dir dabei hilft, alle wichtigen Überlegungen in Betracht zu ziehen. Ein Entscheidungsbaum ist nur ein Beispiel wie das geschehen kann.